Kommunikation im Team: Ursachen von Kommunikationsproblemen und Lösungsansätze für Service- und Pflegeberufe
- Anja Heimes

- 21. Jan.
- 3 Min. Lesezeit
Eine funktionierende Kommunikation im Team ist eine der zentralen Voraussetzungen für erfolgreiche Zusammenarbeit. Dennoch gehören Kommunikationsprobleme in Teams zu den häufigsten Belastungsfaktoren im Berufsalltag – insbesondere in Service-, Pflege- und anderen menschenorientierten Berufen. Missverständnisse, unausgesprochene Erwartungen und emotionale Spannungen beeinträchtigen nicht nur das Arbeitsklima, sondern auch die Qualität der Arbeit und die eigene psychische Gesundheit.
Dieser Artikel zeigt, warum Teamkommunikation gerade in Berufen mit Menschenkontakt besonders herausfordernd ist, welche psychologischen Ursachen hinter Kommunikationsproblemen stecken und welche wissenschaftlich fundierten Ansätze helfen können, Kommunikation nachhaltig zu verbessern.

Warum Kommunikation im Team häufig scheitert
Kommunikation wird im Arbeitskontext oft auf den Austausch von Informationen reduziert. Aus psychologischer Sicht ist sie jedoch ein hochkomplexer Prozess, bei dem Sachinhalte, Emotionen, Beziehungen und Erwartungen gleichzeitig wirksam sind.
Das bekannte Vier-Seiten-Modell der Kommunikation nach Schulz von Thun beschreibt, dass jede Nachricht vier Ebenen enthält:
* Sachebene
* Beziehungsebene
* Selbstoffenbarung
* Appell
Gerade in Teams wird Kommunikation häufig über die Beziehungsebene interpretiert. Ein neutral gemeinter Satz kann unter Stress schnell als Vorwurf oder Kritik wahrgenommen werden. Kommunikationsprobleme entstehen dabei weniger durch den Inhalt selbst, sondern durch unterschiedliche Deutungen.
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Besondere Kommunikationsbelastungen in Service- und Pflegeberufen
Berufe mit intensivem Menschenkontakt stellen besondere Anforderungen an Kommunikation. Studien zeigen, dass Mitarbeitende in Pflege-, Service- und Sozialberufen überdurchschnittlich häufig von Stress, emotionaler Erschöpfung und Burnout betroffen sind (Maslach & Leiter, 2016).
Typische Herausforderungen in der Teamkommunikation sind:
* dauerhafte emotionale Ansprechbarkeit
* hoher Zeit- und Leistungsdruck
* Verantwortung für andere Menschen
* enge Zusammenarbeit im Team
* häufige Grenzüberschreitungen (fachlich und emotional)
Unter Stress verändert sich die Funktionsweise des Gehirns. Laut Stressforschung (Sapolsky, 2004) wird das Denken enger, emotionale Reaktionen nehmen zu und die Fähigkeit zur Perspektivübernahme sinkt. Kommunikation wird dadurch kürzer, unklarer und konfliktanfälliger.
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Häufige Kommunikationsprobleme in Teams
In der Praxis zeigen sich immer wieder ähnliche Muster, die Kommunikationsprobleme verstärken:
Unausgesprochene Erwartungen
Annahmen darüber, was „selbstverständlich“ sein sollte, werden nicht kommuniziert und führen zu Enttäuschung und Konflikten.
Indirekte oder vermeidende Kommunikation
Kritik wird aus Harmoniebedürfnis nicht klar ausgesprochen, sondern angedeutet oder verschoben.
Emotionale Übertragung
Emotionen aus dem Kontakt mit Klient:innen, Patient:innen oder Gästen werden unbewusst ins Team getragen.
Fehlende Abgrenzung im Berufsalltag
Mitarbeitende übernehmen zu viel Verantwortung, sagen selten Nein und geraten dadurch in Überlastung und innere Konflikte.
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Psychologische Grundlagen gelingender Teamkommunikation
Forschung und Praxis zeigen mehrere zentrale Faktoren für gute Kommunikation im Team:
Psychologische Sicherheit im Team
Der Begriff der *psychological safety* beschreibt ein Arbeitsklima, in dem Mitarbeitende offen sprechen, Fragen stellen und Fehler ansprechen dürfen, ohne negative Konsequenzen zu befürchten (Edmondson, 1999). Teams mit hoher psychologischer Sicherheit kommunizieren klarer, konstruktiver und konfliktärmer.
Klare Rollen und Zuständigkeiten
Klare Rollen reduzieren Missverständnisse und entlasten die Kommunikation. Wer weiß, wofür er oder sie verantwortlich ist, muss weniger interpretieren und verteidigen.
Emotions- und Stressregulation
Die Fähigkeit, eigene Emotionen wahrzunehmen und zu regulieren, ist eine Schlüsselkompetenz für gelingende Kommunikation. Studien zeigen, dass gute Emotionsregulation Konflikte reduziert und die Teamzufriedenheit erhöht (Gross, 2015).
Feedbackkultur und Wertschätzung
Regelmäßiges, sachliches und wertschätzendes Feedback stärkt Beziehungen und verhindert Eskalationen. Entscheidend ist die Trennung von Person und Verhalten.
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Kommunikation im Team beginnt bei der Selbstklärung
Ein zentraler, oft unterschätzter Punkt: Kommunikation im Team beginnt nicht im Gespräch mit anderen, sondern bei der eigenen Selbstwahrnehmung. Wer eigene Stressmuster, Grenzen und Bedürfnisse kennt, kommuniziert klarer, ruhiger und authentischer.
Gerade in Pflege- und Serviceberufen ist diese Selbstklärung essenziell, um langfristig gesund, belastbar und handlungsfähig zu bleiben.
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Fazit: Kommunikation als Schlüsselkompetenz in menschenorientierten Berufen
Gute Kommunikation im Team ist kein Zufallsprodukt, sondern eine erlernbare Kompetenz. Besonders in Berufen mit Menschenkontakt wirkt sie als zentraler Schutzfaktor gegen Überlastung, Konflikte und Burnout.
Teams, die gezielt an ihrer Kommunikationskultur arbeiten, profitieren durch:
* weniger Konflikte im Arbeitsalltag
* höhere Arbeitszufriedenheit
* bessere Zusammenarbeit
* klarere Abgrenzung
* gesündere Mitarbeitende
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Hinweis auf meinen neuen Kurs
In meinem neuen Kurs „Klare Kommunikation und gesunde Abgrenzung im Berufsalltag“ vermittle ich praxisnahe Strategien für bessere Teamkommunikation – speziell für Service-, Pflege- und menschenorientierte Berufe.
Der Kurs verbindet wissenschaftlich fundierte psychologische Modelle mit konkreten Übungen, die sich direkt im Arbeitsalltag umsetzen lassen.
Weitere Informationen folgen in Kürze.
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Quellenverzeichnis
Edmondson, A. (1999). *Psychological safety and learning behavior in work teams.* Administrative Science Quarterly, 44(2), 350–383.
Gross, J. J. (2015). *Emotion regulation: Current status and future prospects.* Psychological Inquiry, 26(1), 1–26.
Maslach, C., & Leiter, M. P. (2016). *Burnout.* Stress: Concepts, Cognition, Emotion, and Behavior. Academic Press.
Sapolsky, R. M. (2004). *Why zebras don’t get ulcers.* Henry Holt and Company.
Schulz von Thun, F. (2010). *Miteinander reden 1–3.* Rowohlt.




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